Mobiles Internet - Webdesign fürs Handy
„Shop in der Hosentasche! – Zukunftsmarkt! – Sagenhafte Zuwächse!“ – Ja, das sind so die Hymnen, die Ihnen Agenturen und
Webdesigner vorsingen. Und natürlich haben sie auch das ganz spezielle Know-How, wie eine Website zukunftssicher zu machen ist.
Zwischenupdate 2009:
Das iPhone hat es vorgemacht, andere folgen: Auch wenn das Display
klein ist, dank Zoom-Funktionen, Hoch/Quer Ansicht sowie schneller
Anbindung ist es mittlerweile relativ komfortabel, das Internet
auf Handy zu holen. Das "ganz normale" Internet - wie
es jeder andere auch zu sehen bekommt.
Die Konsequenz daraus: Jeder, der häufiger am Handy surfen
will, legt sich so ein Handy zu. Wer nur telefonieren will, benutzt
schlichtweg eines ohne Internet-Zugang und spart sich die Kosten.
Für die Gruppe dazwischen - Leute, die gelegentlich ins Web
schauen und dabei nur mäßig geeignete Geräte haben
- gilt das unten beschriebene immer noch. Diese Gruppe ist nicht
klein: Der Hype rund um iPhone oder Googles Android hat viele angesteckt,
zudem kommen immer mehr Seiten und Dienste hoch, die für mobile
Nutzer interessant sind.
Ansonsten: Ich lasse den Text von 2007 einfach mal stehen, sei
es auch nur um zu beweisen: Ich hatte wieder mal recht.
Der Stand im Jahre 2007:
Es braucht in Wahrheit kein besonderes Know-How, um eine Website aufs Handy zu bringen. Es ist weniger
eine Frage der Technik, sondern schlichtweg eine Frage des winzigen Displays. 160 x 200 Pixel ist
der übliche Durchschnitt
bei "normalen" Handys, die SmartPhones schaffen quere 320 x 240 Pixel, PDAs haben gerne wieder Hochformat:
320 x 480 aufwärts.
Es ist in absehbarer Zeit nicht davon auszugehen, dass die Auflösungen höher werden, weil sie für
die typischen Anwendungen völlig ausreichen und sich nicht jeder einen 17-Zöller in die Taschen
stecken will. Die
allermeisten
Leute wollen schlichtweg telefonieren und SMS versenden - und keinen unnötigen Ballast. Wenn's leicht
geht - OK, wenn nicht, dann nicht.
Die Technik:
WAP war immer schon tot, WML röchelt noch; das Angebot ist einfach zu gering.
Deswegen gehen Handy-Hersteller immer mehr dazu über, das "ganz normale Internet" aufs Display zu bekommen.
Dabei gibt es mehrere Varianten:
Für kleine Displays wird die aufgerufene Website meist über ein Gateway – also einen eigenen Server -
umgeleitet und dabei für die Darstellung auf dem kleinen Display "umgebaut". Das Handy (bzw dessen
Browser) bekommt etwas,
was nur entfernt wie das Original aussieht. Ob HTML oder XML ist weitgehend egal, CSS wird nahezu
völlig ignoriert, Javascript ebenso.
Auf SmartPhones und PDAs hingegen werden Webseiten schon etwas richtiger dargestellt, allerdings gibt es auch
hier starke Einschränkungen, etwa wird CSS zum Großteil anders interpretiert.
Webdesign:
Die häufige Vorstellung, mit "normalen" Seiten und einem zusätzlichen StyleSheet speziell fürs Handy zu arbeiten,
ist romantisch - aber völliger Blödsinn. Die Technik hat sich ganz anders entwickelt als sich das einige
vorgestellt haben.
Web"design" im eigentlichen Sinne ist praktisch unmöglich. Die sehr unterschiedliche Darstellung je nach
Handy und Mobil-Browser beruht (anders als im Internet) ja nicht auf Fehlern der Browser, sondern ist
"gewollt" an
das kleine Display angepasst. Der eine Browser stellt Bilder immer zentriert dar, egal was im Quellcode
bzw CSS steht, der andere zeigt immer nur den Alt-Text statt dem Bild, wenn einer angegeben ist (sonst
das Bild!).
Die Update-Zyklen sind sehr kurz, ein Handy das einige Wochen später gekauft wurde, kann alles schon
wieder anders darstellen. Jeglicher Versuch, viel mehr als die Schrift- und Hintergrundfarbe festzulegen
ist zum Scheitern
verurteilt.
PDAs und Smartphones stellen Seiten besser dar und sind mit der „normalen“ Webseite an sich ausreichend
bedient.
Der Kern der Sache: Die Aufbereitung des Inhalts
Jenseits aller Technikverliebtheit ist der Nutzen des Angebotes für (Nicht)Erfolg ausschlaggebend. Die
Meisten, die ein webfähiges Handy haben, schauen höchstens ab und an mal, wie diese oder jene bekannte
Seite am Handy aussieht, aber die im Web
üblichen Textmengen sind am Mini-Display schlichtweg uninteressant. Wer wiederkehrende Besucher will,
muss aktuellen Inhalt bieten, die Texte müssen knapp und etwaige Bilder schon vorab auf ein winzigstes Ausmaß
reduziert sein.
Im Klartext: Eine Webseite muss optisch und inhaltlich extra für das Handy aufbereitet sein. Mit einer
banalen Zupferei im CSS und wohlgeformter Doctype-Definition ist es beileibe nicht getan.
Die weitere
Frage ist dann
also: Macht dieser Mehraufwand Sinn?
Die Praxis:
Ende Februar 2007 habe ich die Website der IG-Jazz für’s mobile Internet aufbereitet. Auf der Site werden
Live-Konzerte (Jazz, Blues..) in Wien gelistet: „Was ist heute in Wien an Jazz und Blues“. Der Gedanke:
Wenn etwas für das mobile Internet interessant sein kann, dann so etwas.
Die Texte werden dramatisch gekürzt, die spärlichen Bilder auf winzige Ausmaße optimiert, die URL auf
das Nötigste beschränkt. Normales xhtml ist für praktisch alle Fälle hinreichend.
Im Jänner (also vor der Umstellung) betrug der Anteil an Zugriffen durch Handys gerade mal
0,01% - also ein Zehntel Promille. Im März stieg der Anteil auf das 9-fache – also schon fast 1 Promille.
In welcher Branche hat man schon 800% Zuwachs – zweifelsohne ein Hoffnungsmarkt ;-)
Die Handy-Provider (A1, T-Mobile, 3 usw) zeigen übrigens wenig Interesse an derartigen Angeboten.
Sie verdienen ja in erster Linie dadurch, dass sich Leute von ihrer Seite Videos, Musik und Spiele laden und
haben von daher wenig Freude an Konkurrenz. Noch dazu, wenn die übertragenen Datenmengen gering sind und damit
auch am Transfer wenig zu verdienen ist.
Vorläufiges Fazit:
Man muss in jedem Fall eine eigene Version fürs Handy machen – und das steht nur dafür, wenn man sie bereits
relativ griffbereit hat. Interessant sind nur hochaktuelle und knappe Inhalte. Und wo der Inhalt fehlt,
kann durch tolles Design nichts wettgemacht werden.
Damit ist Handy-Webdesign für die typische Firmenpräsenz, Onlineshops, Blogs oder Hobby-Seiten verlorene
Liebesmüh. Nachdenken kann man über einzelne Seiten, die hilfreiche Infos für unterwegs bieten.
Nicht unterschätzt werden soll allerdings der Hype 2.0, der in der Sache steckt. Für eine jugendliche Zielgruppe
gilt es als cool, irgendwelche Infos übers Handy zu holen. Auch wenn man damit keinen Gewinn macht,
kann man sein Image etwas modernisieren. Vorausgesetzt: genügend Werbebudget und Partnerschaft mit
den Providern.
Nachtrag:
Die neuesten Zahlen von www.ig-jazz.at:
Juni 2007:
82.21% Browser
17.64% Bots/Gesindel
00.15% Mobile
Juli 2007:
79.84% Browser
20.04% Bots/Gesindel
00.12% Mobile
Da die Site dynamisch und immer aktuell ist, tragen die Bots ganz schön auf. Am gierigsten ist Yahoo,
gefolgt von MSN und Google. Hilft nix, man will ja gefunden werden.
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IG-Jazz in Normalansicht
Was ist wann und wo in Wien:
Wenn etwas für das mobile Internet interessant sein kann, dann so etwas.
Die mobile Version
Ganz normales xhtml, sparsamstes CSS,
reduzierte Inhalte.
Linktipp:
Am Opera-Mini Simulator können Sie Ihre Website testen.
Hier einige weitere
Quellen + Tests:
http://pc.dev.mobi/
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